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Impuls zum November 2026

Text: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Grafik: © GemeindebriefDruckerei

Damit Leben wächst

„Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“ (Jes 2,4)

Ein Schwert wird im Feuer erhitzt. Hammerschläge verändern seine Gestalt. Aus einer Waffe entsteht ein Werkzeug, das die Erde öffnet und eine Ernte vorbereitet. Das Metall bleibt, doch sein Zweck verändert sich: Was Menschen töten konnte, hilft nun, sie zu ernähren. So anschaulich beschreibt Jesaja Gottes Zukunft für die Welt.

Unsere Gegenwart scheint in die entgegengesetzte Richtung zu weisen. Nach Angaben des Friedensforschungsinstituts SIPRI erreichten die weltweiten Militärausgaben 2025 rund 2,9 Billionen US-Dollar. Deutschland gab rund 114 Milliarden US-Dollar für sein Militär aus und lag damit weltweit an vierter Stelle. Hinter diesen Ausgaben stehen Kriege, die Angst vor weiteren Angriffen und das Bemühen, Menschen zu schützen. Zugleich stellt sich die Frage, wie wir unsere Mittel einsetzen, damit Menschen sicher leben können und genug zum Leben haben.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat unzählige Menschen getötet, Familien auseinandergerissen und Lebensgrundlagen zerstört. Auch der Krieg im Nahen Osten hat Folgen weit über die unmittelbar betroffenen Gebiete hinaus. Unterbrochene Handelswege und steigende Energie- und Lebensmittelpreise verschärfen die Not. Krieg trifft diejenigen besonders hart, die sich am wenigsten schützen können.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Jesajas Bild eine besondere Kraft. Pflugscharen und Winzermesser stehen für Brot, Arbeit und Lebensunterhalt. Gottes Frieden reicht bis an den Küchentisch. Er wird dort spürbar, wo Menschen satt werden, ohne Angst leben und auf eine Zukunft hoffen können.

In Jesajas Vision beginnt dieser Frieden damit, dass die Völker Gottes Weisung suchen. Gott schafft Recht und weist sie zurecht. Sie müssen ihre Streitigkeiten nicht länger mit Waffen entscheiden. Sogar das Lernen verändert sich: Niemand übt mehr ein, wie man Krieg führt. Was Menschen wissen und können, darf dem Leben dienen.

Doch wie lassen sich bedrohte Menschen heute wirksam schützen? Diese Frage bleibt. Auch Christinnen und Christen ringen um Antworten. Jesajas Verheißung nimmt uns dieses Ringen nicht ab. Sie gibt ihm eine Richtung: Frieden braucht Gerechtigkeit, Schutz und die Aussicht auf ein menschenwürdiges Leben. Darum müssen wir immer wieder fragen, was Gewalt begrenzt, Verständigung ermöglicht und die Ursachen von Not überwindet.

Daran erinnert die Ökumenische FriedensDekade vom 8. bis 18. November 2026. Unter dem Motto „couragiert widerständig“ lädt sie dazu ein, gemeinsam zu beten, das eigene Gewissen zu prüfen und gewaltfrei für Frieden und Menschenrechte einzutreten.

Couragiert widerständig sind wir, wenn wir Menschenverachtung widersprechen, Bedrohten beistehen und Hungernden helfen. Wenn wir im Gespräch bleiben, auch dort, wo es anstrengend wird. Und wenn wir politische Entscheidungen daran messen, was sie für die Schwächsten bedeuten – bei uns und weltweit.

Das Umschmieden braucht Feuer, Kraft und Geduld. Auch unsere Herzen und Gewohnheiten verändern sich selten von heute auf morgen. Doch Gottes Verheißung hält die Hoffnung wach: Die Welt muss nicht bleiben, wie sie ist. Diese Hoffnung ermutigt uns, schon heute zu fragen: Was können wir mit unseren Händen, unseren Worten und unseren Mitteln tun, damit Leben wächst?

Gott des Friedens,
wir bringen dir alle Menschen, deren Leben von Krieg bedroht ist. Stehe den Trauernden, Verwundeten und Vertriebenen bei. Sei denen nahe, deren Brot knapp wird und deren Not kaum jemand sieht. Stärke alle, die Menschen schützen, Hunger lindern und Verständigung suchen. Schärfe unser Gewissen und öffne unsere Augen für das, was wir tun können. Gib uns Mut und Geduld, deinem Frieden Raum zu schaffen.
Amen.

                                                        Pfarrer Eun Pyo Lee