slider Dez 2022
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Impuls zum April 2026

Liebe Gemeinde,
mit dem Monat April beginnt für mich ein neuer Abschnitt: Seit kurzer Zeit darf ich Ihr neuer Pfarrer sein. Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen, mit Ihnen im Glauben unterwegs zu sein und das Leben unserer Gemeinde gemeinsam zu gestalten.


Die Osterbotschaft klingt noch nach: Christus ist auferstanden – er hat den Tod überwunden. Darin liegt der Grund unserer Hoffnung und die Mitte unseres Glaubens. Diese Botschaft bleibt nicht abstrakt. Sie gewinnt Gestalt in den Begegnungen, von denen das Evangelium erzählt – so auch in der Geschichte des Thomas.


Thomas gehört zu denen, die nicht einfach übernehmen, was andere sagen. Er fragt, er ringt, er sucht Gewissheit. Er will sehen, will begreifen. Sein Zweifel ist kein Mangel an Glauben, sondern Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach Wahrheit – nach einem Glauben, der trägt.
Und Jesus begegnet ihm genau darin.
Er weist Thomas nicht zurück. Er beschämt ihn nicht. Er fordert keinen blinden Glauben. Stattdessen kommt er ihm entgegen – noch einmal, eigens für ihn. Er begegnet ihm dort, wo er steht: mit seinen Fragen, seinem Zögern, seinem Zweifel. So zeigt sich, wer Jesus ist: geduldig, zugewandt und barmherzig. Das ist eine große Zusage – auch für uns.
Denn auch wir kennen diese Erfahrungen: Fragen, die offenbleiben. Zweifel, die sich nicht einfach auflösen. Die Sehnsucht nach Klarheit, nach einem Zeichen. Die Geschichte des Thomas sagt uns: Damit sind wir nicht allein.
Der auferstandene Christus ist kein ferner Herr. Er ist gegenwärtig. Er spricht zu uns im Evangelium. Er begegnet uns in den Worten der Schrift. Er stärkt uns im Abendmahl. Und er stellt uns in die Gemeinschaft der Gemeinde, damit wir einander tragen – im Glauben und im Gebet.
Vielleicht begegnet er uns anders als damals dem Thomas – aber nicht weniger wirklich.
Und dann geschieht das Entscheidende: In der Begegnung erkennt Thomas, wer vor ihm steht. Sein Zweifel wandelt sich. Und er spricht das große Bekenntnis:
Mein Herr und mein Gott.
In diesen wenigen Worten liegt alles: Vertrauen, Staunen, Hingabe. Thomas erkennt: In Jesus begegnet ihm Gott selbst.
Dieses Bekenntnis steht am Ende der Geschichte – und zugleich am Ziel unseres Glaubensweges. Nicht immer können wir es mit derselben Klarheit sprechen. Oft bleiben wir Suchende, Tastende. Doch auch dann gilt: Christus ist der, der uns sucht und findet.


Und wenn uns die Worte fehlen, dürfen wir uns an ein anderes Gebet halten: Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben.

So gehen wir unseren Weg – getragen von seiner Zusage. Jesus spricht: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Darin liegt eine Verheißung für uns: Glaube bedeutet nicht, alles beweisen zu können. Glaube heißt, sich anzuvertrauen – darauf zu vertrauen, dass Gott da ist, mitten in unserem Leben. Gerade darin liegt eine Tiefe und eine Freiheit, die uns trägt.
Und so wachsen wir – Schritt für Schritt – in das Bekenntnis hinein, das aus der Begegnung mit ihm lebt: 

Mein Herr und mein Gott.

Herzlich grüßt Sie
Ihr Pfarrer Eun Pyo Lee